WordPress oder eigene Entwicklung: Wann was die bessere Wahl ist
Die Frage "WordPress oder selbst entwickeln lassen?" landet bei fast jedem Web-Projekt auf dem Tisch. Die ehrliche Antwort: Es gibt keine generell bessere Option - nur eine, die zu deinem konkreten Vorhaben passt. Wir bauen beides (Webseiten und eigene Web-Tools sowie SaaS-Dashboards) und betreiben sieben eigene Marken in Produktion. Genau deshalb empfehlen wir dir regelmaessig WordPress, obwohl wir am Custom-Build mehr verdienen wuerden. Hier die nuechterne Entscheidungshilfe.
Wann WordPress die richtige Wahl ist
WordPress ist ein Content-Management-System. Es spielt seine Staerken aus, wenn dein Projekt im Kern aus Inhalten besteht, die regelmaessig wachsen oder gepflegt werden muessen. Typische Faelle:
- Unternehmens-Website mit Blog - Leistungen, Team, Referenzen, News, alles selbst pflegbar.
- Magazin oder Ratgeber-Portal - viele Artikel, Kategorien, Autoren.
- Standard-Shop - mit WooCommerce, solange du keine exotischen Prozesse brauchst.
- Schnelles Online-Gehen mit kleinem Budget - das Oekosystem aus Themes und Plugins spart Entwicklungszeit.
Der grosse Vorteil: Du oder dein Team koennt Texte, Bilder und ganze Seiten ohne Entwickler aendern. Das senkt die laufenden Kosten erheblich. WordPress hat ausserdem den groessten Pool an verfuegbaren Dienstleistern - du bist nie an einen einzigen Anbieter gefesselt.
Wann eigene Entwicklung sinnvoller ist
Sobald dein Projekt kein "Inhalte anzeigen", sondern etwas tun soll, kippt die Rechnung. Eigene Entwicklung lohnt sich, wenn:
- du eigene Logik oder Berechnungen brauchst - ein Konfigurator, ein Rechner, ein Scanner, ein Matching-Algorithmus.
- Nutzer sich einloggen und mit echten Daten arbeiten (Dashboards, SaaS, Mitgliederbereiche).
- du grosse oder spezielle Datenmengen verarbeitest - Importe, Schnittstellen, Suche ueber zehntausende Datensaetze.
- du an Drittsysteme andockst (ERP, CRM, Zahlungs- oder Versandanbieter) mit Anforderungen, die kein Plugin sauber abbildet.
- Performance und Kontrolle entscheidend sind und du keinen Plugin-Wildwuchs willst.
Aus eigener Erfahrung: Unsere Marken reichen von einem Barrierefreiheits-Scanner ueber ein Kosmetik-Produktportal mit rund 177.000 Produkten bis zu einem Fahrzeug-Deal-Radar und einer Marine-SaaS. Keines davon waere mit WordPress vernuenftig umsetzbar gewesen - zu viel eigene Logik, zu viele Daten, zu spezifische Ablaeufe. Genau hier ist Custom-Code kein Luxus, sondern die guenstigere Loesung auf Dauer.
Kosten: Anschaffung gegen Betrieb
Die wichtigste Unterscheidung ist einmalig vs. laufend. Eine WordPress-Seite ist in der Anschaffung oft guenstiger, kann aber im Betrieb teurer werden, wenn viele kostenpflichtige Plugins, Lizenzen und regelmaessige Update-Wartung zusammenkommen.
Zur Orientierung unsere Festpreise: Ein One-Pager liegt bei 2.000-3.000 EUR, eine Multi-Page-Website mit CMS bei 4.500-8.000 EUR. Ein einzelnes Custom-Feature rechnen wir ab 9.000 EUR, ein vollwertiger Tech- oder SaaS-Build liegt je nach Umfang zwischen 6.000 und 25.000 EUR. Der Sprung erklaert sich nicht durch Aufschlag, sondern durch echten Mehraufwand: Datenmodell, Backend-Logik, Tests, Sicherheit.
Faustregel: Brauchst du vor allem Inhaltsseiten, ist WordPress meist die wirtschaftlichste Wahl. Brauchst du Funktion, zahlst du beim Custom-Build mehr an Tag eins, sparst aber die Plugin-Bastelei und deren Folgekosten.
Wartung und die Grenzen
WordPress braucht aktive Pflege. Core, Theme und Plugins muessen regelmaessig aktualisiert werden, sonst entstehen Sicherheitsluecken - WordPress ist wegen seiner Verbreitung ein beliebtes Angriffsziel. Plane realistisch Zeit oder Budget fuer Updates, Backups und gelegentliche Kompatibilitaetsprobleme ein, besonders bei vielen Plugins.
Eigenentwicklung hat weniger bewegliche Teile von aussen, aber du traegst die volle Verantwortung fuer den Code. Ohne Dokumentation und einen Dienstleister, der das System kennt, kann Wartung teuer werden. Achte hier auf saubere Uebergabe und darauf, dass du nicht in einer Sackgasse landest.
Die ehrlichen Grenzen beider Welten:
- WordPress stoesst an, wenn du es mit Plugins zu etwas zwingst, wofuer es nicht gebaut ist - dann wird es langsam, fragil und teuer in der Wartung.
- Eigenentwicklung ist ueberzogen, wenn ein gutes Theme plus zwei Plugins dasselbe in einem Bruchteil der Zeit leisten.
So entscheidest du in der Praxis
Stell dir eine einzige Frage: Verkaufst du Inhalte oder Funktion? Geht es darum, Informationen ansprechend zu zeigen und selbst zu pflegen, nimm WordPress. Soll die Seite rechnen, verarbeiten, Nutzer verwalten oder mit anderen Systemen sprechen, lohnt sich der eigene Build. Viele Projekte sind ausserdem ein Mix: WordPress fuer Marketing und Blog, ein separates Tool fuer die eigentliche Funktion - sauber verbunden statt alles in ein System gepresst. Wenn du unsicher bist, beschreib einfach, was dein Produkt koennen soll. Daran laesst sich die Frage in der Regel in wenigen Minuten klaeren.